Auf Initiative von Marie-Luise Marhöfer trafen sich am 23.03.2011 zehn engagierte Thürer Bürger und Bürgerinnen und gründeten eine Theatergruppe.  Am 20. Oktober 2012 war es dann so weit. Das Theaterstück “Die Senorina aus Messina”wurde aufgeführt. Der Artikel von Sonja Fréer schildert anschaulich die Ereignisse an den beiden Theatertagen in Thür.

Thür blickt zurück auf eine 100-jährige Theatertradition. 1961, also vor mehr als 50 Jahren, wurde auf dem Thürer Berg das Theaterstück “Dreizehn Linden” aufgeführt.

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Die Genoveva - Spiele im Jahr 1949 fanden großen Zuspruch in der Thürer Bevölkerung. Dieses Bild zeigt Besucher der Spiele zwischen Schmalberg und Fraukirch.

 

Mehr über die Geschichte des Theaters in Thür erfahren Sie übrigens in der Dorfchronik, “900 Jahre Thür”, die von Friedrich Hermes herausgegeben wurde.

 

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Die Senorina aus Messina

Standing Ovations für exzellente schauspielerische Leistungen des Thürer Theaterensembles

 

Erneut präsentierten die Thürer Bürgerinnen und Bürger im Rahmen ihrer allesamt spektakulären 900-Jahr-Jubiläumsfeiern am vergangenen Wochenende ein Highlight, welches ebenfalls noch lange von sich reden machen dürfte.

Nach einer ca. 50 Jahre währenden Theaterpause begeisterten 10 ebenso ambitionierte wie höchst talentierte Darsteller in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Mehrzweckhalle derart, dass ihre pointenreichen Dialoge mitunter von dem zwerchfellerschütternden Gelächter der Zuschauer übertönt wurden.

Wenngleich das Thema des Schwanks in drei Akten von Wilfried Reinehr: „Die Senorina aus Messina“ eine ideale Vorlage für einen kurzweiligen Theaterabend bot, war es der Regisseurin der Thürer Aufführu20121020-Theater-P1040852ng, Ina Rohlandt, durch die perfekte Besetzung jeder einzelnen Rolle gelungen, die Darsteller zu Höchstleistungen zu animieren. Die viel versprechenden Talente hatten sich vor ca. eineinhalb Jahren auf Initiative von Marie-Luise Marhöfer zusammengefunden, um die Theatergruppe zu gründen.

Zur Handlung: D20121020-Theater-P1040933ie resolute Wirtin Emma Obermeier vom Gasthof „Zum wilden Eber“ (hinreißend verkörpert durch Hanna Schüller), lebt mit ihrem Bruder Emil (Volker Regnery), einem Vertreter für Damenunterwäsche, unter einem Dach. Ihr Neffe Wolfgang, genannt Wolfi (Jonathan Schneider), unterstützt sie bei der Arbeit in der Gaststätte. Während es sich bei dem charmanten Emil um einen ledigen Leichtfuß handelt, der lieber in jeder Stadt eine Freundin hat, als sich an eine zu binden, steht sein Freund, der Bäckermeister Silvester Schlitz (überzeugend dargestellt von Jürgen Fuchs) unter dem Pantoffel seiner Frau Agathe (Claudia Pauken). Beide, Emil und Silvester, machten vor 19 Jahren gemeinsam Urlaub in Italien. Als nun im „20121020-Theater-P1040817wilden Eber“ die junge Italienerin Isabella del Saliba (voller Leidenschaft gespielt von Ilona Fuhrmann) auftaucht, die ihren Vater sucht, ahnen beide Schlimmes. Aus Angst, Alimente für 18 Jahre nachzahlen zu müssen, lassen die beiden Männer sich von dem Vertreter für Bäckereibedarf, Robert Kummer, überreden, sich als Damen zu verkleiden. (Während Jürgen Fuchs und Volker Regnery den Zuschauern als zwei Herren die Dame spielen, Lachtränen in die Augen trieben, verwandelte der begnadete Darsteller Marco Herber als perfekt sächselnder Robert Kummer die Thürer Mehrzweckhalle in einen wahren Hexenkessel!). Wirtin Emma, die das Regiment im Hause führt und von ihrem Bruder nicht viel hält, genießt es derweil, von dem überkorrekten Beamten Otto Steinbeißer umworben zu werden und verlobt sich mit ihm. (Die Rolle des Beamten schien dem souverän auftretenden Franz-Josef Geilen offensichtlich auf den Leib geschrieben). Inzwischen tröstet Robert Kummer die junge Traudel (Monika Haupt), Tocht20121020-Theater-P1040961er von Bäckermeister Schlitz, welche von ihrem Wolfi verlassen wurde, da dieser sich wiederum in Isabella del Saliba verliebt hatte. Für die Überraschung des Abends sorgte jedoch die Mutter der jungen Italien20121020-Theater-P1040847erin, Felicitas del Saliba (temperamentvoll verkörpert von Anke Bröker). Als Emil und Silvester nämlich erfahren, dass es nicht um die Nachzahlung von Alimenten geht, sondern dass Isabella del Saliba eine Millionärin ist, die ihren leiblichen Vater an ihrem Reichtum teilhaben lassen will, demaskieren sie sich. Jeder möchte plötzlich der Vater sein. Isabellas Mutter stellt aber klar, dass keiner von beiden in Frage kommt. Isabella resigniert schon und glaubt ihren Vater nie mehr zu finden. Da taucht der überkorrekte Beamte Otto Steinbeißer mit einem Blumenstrauß für seine angebetete Emma auf. Und siehe da, er, dem niemand auch nur das kleinste amouröse Abenteuer zugetraut hätte, er ist der gesuchte Vater der Isabella del Saliba! Der Versuch, seiner ehemaligen Geliebten wieder näher zu kommen, wird jedoch von Emma Obermeier mit sanfter Gewalt unterbunden, so dass sich selbst der inzwischen eingetroffene Überraschungsgast, bei dem es sich um keinen Geringeren als Pastor Ralf Birkenheier handelte, Schutz suchend unter den Tisch flüchtete. Während die Glanzleistungen der Thürer Mimen immer wieder mit lang anhaltendem Szenenapplaus bedacht wurden, schien der brausende Beifall beim Finale kein Ende nehmen zu wollen.

Übrigens kann die Ortsgemeinde Thür auf eine über 100 Jahre währende Theatertradition zurückblicken. Nachgewiesen ist eine „theatralische Abendunterhaltung“ im Jahre 1893, die vom Cäcilienverein aufgeführt wurde. 1949 kam es mit dem Volksschauspiel „Die Genovefa-Sage“ zur ersten Freilichtaufführung. Eine weitere Freilichtaufführung fand 1961 mit dem Stück „Dreizehn Linden” von Friedrich Wilhelm Weber auf dem Thürer Berg statt. Mit ihrer jüngsten Aufführung dürfte die Thürer Theatertruppe jedoch alles bisher da gewesene übertroffen haben! Dafür sorgte nicht zuletzt auch ein höchst engagiertes Team im Hintergrund, das von dem Leiter des Kultur- und Verschönerungsvereins, 20121020-Theater-P1040977Johannes Schneider vorgestellt wurde. Dazu zählten außer der Theater erfahrenen Regisseurin Ina Rohlands auch die Souffleuse Marie-Luise Marhöfer, Petra Hecker und Christine Schumacher (Frisuren/Maske), die Seniorenwerkstatt unter der äußerst engagierten Leitung von Ewald Müller (Bühnenbild) sowie Rosi Weiler und Christa Siekmann, die hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Eine wahre Glanzleistung aller Beteiligten – Chapeau!!!

 Sonja Fréer

 

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Und hier noch ein klein wenig Thürer Theater-Geschichte:



In Thür wurde wieder Theater gespielt !

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Ein seltsamer Fall wird vor dem Amtsgericht Mayen-Land verhandelt: Es geht um einen Schweinediebstahl im kleinen Dorf Thür und es stellt sich sehr bald heraus, dass seine Bewohner längst noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Die Richterin, der Verteidiger und die Staatsanwältin tun sich sehr schwer mit dem urwüchsigen, streit- und rauflustigen Völkchen. Bei der Suche nach der Wahrheit prallen zwei grundverschiedene Welten aufeinander: Rechtspflege steht gegen Bauernschläue. Sitzt der Beklagte zu Recht auf der Anklagebank? Was hat es mit dem ominösen Unbekannten auf sich, der ihn angeblich durch die hölzerne Wand des Schweinestalls gestoßen haben soll? Welche Rolle spielen eine Wirtin, eine alte Kräuterfrau, ein Viehhändler und ein Dorfvorsteher in diesem verzwickten Fall? Drei Verhandlungstermine und ein Lokaltermin werden angesetzt, bis das Verfahren schließlich eine überraschende Wendung nimmt. Am Ende stellt der zum Teil äußerst verwirrte Zuschauer fest, dass die Thürer zwar schnell mit den Fäusten zur Sache kommen, wenn es darum geht ein Problem zu lösen, aber genauso schnell bereit sind, sich wieder zu versöhnen.

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Wer könnte diese Art von Problemlösung besser deutlich machen, als die neun ambitionierten Thürer Darsteller, welche unter der perfekten Regie von Ina Rohlandt aus Nickenich in der bis auf den letzten Platz besetzten Mehrzweckhalle die Krimi-Komödie „Saustall im Amtsgericht“ zum Besten gaben. Die Gründung der Thürer Theatergruppe im Jahre 2011 basiert auf einer Initiative von Marie-Luise Marhöfer. Bereits im Oktober 2012 feierte das zehnköpfige Ensemble anlässlich des Jubiläums „900 Jahre Thür“ mit dem Theaterstück „Die Senorina aus Messina“ eine viel umjubelte Premiere.

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Die Premiere am Samstagabend war wieder einmal ein Riesen-Erfolg und wurde von den restlos begeisterten Zuschauern mit nicht enden wollenden stehenden Ovationen gefeiert. Während Marie-Luise Marhöfer sich als für das Publikum „unsichtbare“ Souffleuse verdingte, gaben die höchst engagierten Darsteller einfach Alles. Ob es sich um die professionell anmutende Amtsrichterin Jessica Müller handelte oder um die ebenso zickige wie liebenswerte Staatsanwältin Dr. Helma Weihmut (Ilona Fuhrmann), die von dem souverän auftretenden Verteidiger Dr. Heinrich Strelitzki, dessen Rolle Jürgen Jakob geradezu auf den Leib geschrieben schien, verehrt wurde - das Ensemble belohnte die Besucher mit Unterhaltung vom Allerfeinsten. Dies galt auch für den Gerichtsdiener Bruno Kohlfeld, urkomisch dargestellt von Dominik Mittler, den Beklagten Willi Berresstein, hier hätte man sich keine idealere Besetzung, als Jürgen „Jockel“ Fuchs wünschen können, die rauflustige Klägerin Hannah Buxem, absolut authentisch dargestellt von Steffi Regnery, das urige Kräuterweib Rosi Zeiler - Monika Haupt sorgte nicht nur beim Publikum, sondern auch vor Gericht für so manchen Lacher, die Wirtin Martha Buxem, Anke Bröker war als Geliebte des Beklagten absolut überzeugend, und nicht zuletzt Walpurga Pilger, Gattin des Ortsvorstehers, die aufgrund des charmanten und von klassischer Eleganz geprägten Auftritts durch Christine Massion eine frappierende Ähnlichkeit mit der realen Welt erkennen ließ.

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Ältestes Haus von Thuer
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Bildstock Kreuzweg Thür
Kirche in Thür
Fraukirch Mai 2011

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Dorfplatz Thuer
Scheunenkaffee in Thür
Thürer Wiesen
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